Warum wollen sie ihre Familie wiedersehen?

Warum wollen sie ihre Familie wiedersehen?

Seit 12 Jahren arbeitet Land of Hope intensiv daran, gerettete Kinder wieder mit ihren Familien zusammenzuführen. Diese Arbeit wird als Reunification (Wiedervereinigung) bezeichnet und ist ein zentraler Bestandteil der langfristigen Bemühungen der Organisation, Kinderrechte zu schützen und schädlichen Aberglauben zu bekämpfen – insbesondere in Westafrika.

Heute werden die Ergebnisse dieser Arbeit immer deutlicher sichtbar.

In den vergangenen Jahren haben 20 Kinder von Land of Hope den Kontakt zu ihren Familien wiederaufgebaut. Die Beziehungen sind inzwischen so stabil, dass die Kinder ihre Schulferien bei ihren Familien in den Dörfern verbringen, in denen sie früher als Hexen beschuldigt wurden.

Für viele Unterstützerinnen und Unterstützer wirkt das schwer nachvollziehbar. Warum sollten Kinder erneut einem Risiko ausgesetzt werden?

Deshalb erklärt Land of Hope, warum diese Arbeit wichtig ist – und wie sie verantwortungsvoll umgesetzt wird.

Das Recht von Kindern auf Familie und Identität
Wenn Kinder, die Opfer von Hexerei-Vorwürfen und Gewalt waren, in ihre Familien zurückkehren, löst das verständlicherweise Sorge aus. Angst, Wut und Traurigkeit sind normale Reaktionen. Genau deshalb wird Reunification bei Land of Hope niemals überstürzt durchgeführt.

Die Organisation arbeitet mit langfristigen, sorgfältig geplanten und professionell begleiteten Prozessen, die sich oft über mehrere Jahre erstrecken. Die Sicherheit der Kinder steht dabei immer an erster Stelle. Eine Wiedervereinigung findet nur statt, wenn sie eindeutig im besten Interesse des Kindes liegt – kurz- und langfristig.

Gemäß der UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind das Recht, seine Herkunft zu kennen und Teil einer Familie zu sein – auch dann, wenn Beziehungen durch Armut, Angst und Aberglauben zerstört wurden.

Für Land of Hope bedeutet Wiedervereinigung daher nicht nur Arbeit mit dem Kind, sondern auch mit dem Umfeld, aus dem es stammt.

Durch Dialog, Aufklärung und wiederholte Besuche arbeitet die Organisation mit Familien, Dorfgemeinschaften und traditionellen Autoritäten zusammen, um gefährlichen Aberglauben abzubauen und das Bewusstsein für Kinderrechte und geltendes Recht zu stärken.

Diese Herangehensweise hat über die Jahre zu deutlichen Veränderungen geführt.

Das gewachsene Vertrauen in den Gemeinden ist entscheidend, um neue Hexerei-Anschuldigungen zu verhindern und Kinderleben zu schützen.

Wie die Kinder reagieren
Hope ist ein Beispiel dafür. Vor zehn Jahren wurde er gerettet. Heute geht er bei Besuchen aufrecht und stolz durch sein Dorf. Als Kind wurde er ausgestoßen und der Hexerei beschuldigt. Inzwischen hat er die Grundschule abgeschlossen und begegnet seiner Gemeinschaft mit Selbstbewusstsein und einem starken Selbstbild. Hope kennt seine Geschichte – und bezeichnet sich selbst als Überlebenden.

Auch Destiny und Godspower zeigen, wie sich Beziehungen über Zeit wieder aufbauen lassen. Destiny verbringt seit mehreren Jahren Schulferien bei seiner Mutter, mit der er wiedervereint wurde. Im nächsten Jahr wird er dauerhaft zu ihr zurückkehren.

Die Reunification-Arbeit beginnt so früh wie möglich, denn die Identitätsentwicklung eines Kindes lässt sich nicht pausieren. Je länger ein Kind ohne Zugang zu seiner Geschichte lebt, desto schwieriger kann es sein, im Erwachsenenalter Stabilität zu finden. Für Land of Hope geht es bei Wiedervereinigung nicht um die Vergangenheit, sondern um eine sichere Zukunft.

Eines der Kinder, Mighty, brachte es nach einem Dorfb esuch auf den Punkt: „If you don’t take me on a home visit, where would I go when I grow up?“

Wenn Mighty heute sein Dorf besucht, rennen seine Cousinen ihm jubelnd entgegen. Dieses Gefühl von Zugehörigkeit stärkt ihn für sein weiteres Leben.

Traumata verschwinden nicht, wenn man ihnen ausweicht. Die Erfahrung zeigt vielmehr, dass viele Kinder Heilung erfahren, wenn sie unter sicheren Bedingungen zurückkehren. Sie erkennen, dass sie nicht mehr hilflos sind, werden von verlässlichen Erwachsenen begleitet und können Grenzen setzen. So gestalten sie ihre eigene Geschichte aktiv mit.

Wiedervereinigung bedeutet nicht, die Vergangenheit zu verdrängen, sondern sie ernst zu nehmen – für Kinder, Familien und Gemeinschaften.

Kann man den Familien vertrauen?
Jede Wiedervereinigung basiert auf einer sorgfältigen Einschätzung des mentalen und emotionalen Zustands des Kindes. In vielen Fällen hat Land of Hope jahrelang mit Familien und Dorfgemeinschaften gearbeitet, bevor ein Kind einbezogen wird. Gespräche, Aufklärung und klare Vereinbarungen zur Sicherheit des Kindes sind fester Bestandteil des Prozesses.

Kinder werden während der Besuche niemals allein gelassen.

Das Team von Land of Hope begleitet die Kinder eng und steht in ständigem Kontakt mit den Familien. Vertrauen entsteht schrittweise und über Zeit.

Reunification ist eine langfristige Investition in Kinder und ihre Herkunftsgemeinschaften – mit dem klaren Ziel, Aberglauben zu schwächen und Hoffnung zu stärken. Wer Land of Hope unterstützt, schützt nicht nur einzelne Kinder vor lebensbedrohlichen Situationen, sondern trägt dazu bei, zukünftige Gewalt zu verhindern.

Unterstützen Sie unsere Reunification-Arbeit mit einer Spende